Balkonien 2026

Februar
Vernebelt, vereist, Regen, Schnee, Sturm – gezählt an drei Tagen zeigte sich die Sonne. Jedes Mal ein kleines Fest. Freundinnen und Freunde in der Ukraine frieren, Russland setzt den Krieg fort. Dank der Gespräche mit den Damen der Volkshilfe wird die Pflege der Mutter in Zeltweg intensiviert. Ende des Monats wieder eine Woche in Zeltweg. Noch erkennt sie mich. Sie traut sich nicht mehr allein die Straße zu queren, freut sich über Blumen, die Sonne auf ihrem Balkon, spielt noch gerne Karten. Gegen die gruselige Regierung in Tschechien gibt es landesweit Demonstrationen. Das Zitat von Václav Havel dient mir als Mantra:
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Jänner
Fastend hineingegangen ins Jahr 2026. Die in den Himmel hinaufgeschossenen Kracher lassen mich intensiver an die Menschen in der Ukraine denken. Mir ist nicht zum Feiern zumute. Am Neujahrsmorgen ziehe ich mich warm an und wandere entlang der Gartenstadt in das immer kleiner werdende Naturschutzgebiet. Neubauten werden hochgezogen, einst freie Wege sind jetzt abgesperrt. Den Kopf freibekommen, den Körper durch die inwendig verankerte Energie spüren. Schrittweise von den Haar- bis in die Zehenspitzen. Der dementen Mutter beiseite stehen, so gut es mir möglich ist. Vertraute Menschen besuchen, einen Reiseplan erstellen, der deren und meine Befindlichkeit einbezieht. Für zwei Wochen den Rucksack so packen, dass ich ihn auch für einen längeren Fußweg tragen kann. In der zweiten Woche fällt Schnee, dann Regen. Die Wege sind vereist: Wesentlich werden!
