Balkonien ...

... aus dem Jahr 2021 wird  fortgesetzt, was gut getan hat: Balkonien. Grünes, drinnen und draußen. Dazu Briefe und Bücher. 31.12.2021

Im November wurden Zwiebeln von Tulpen, Narzissen, Krokussen eingesetzt, mit Tannenreisig bedeckt.

2.1.2022 Samenbestände geprüft. Liste erstellt, was in diesem Jahr angesetzt wird. Augenmerk auf Bodenständiges.


Am 14.2. 2022 mit dem Ansetzen einiger Samen begonnen. Draußen stürmt es, windig, kaum Regen und Schnee. Aus dem letzten Jahr nehme ich mit, mich auf mehrjährige Pflanzen zu konzentrieren und solche, die auch mit weniger Wasser auskommen. Die Heizung fällt immer wieder aus. Die Pumpe muss erneuert werden. Ich gewöhne mich an niedrigere Temperaturen (zwischen 15, maximal 19 Grad im Innenraum). Am 20.2.2022 endet die Olympiade in Peking, von der ich - außer dass Putin bei der Eröffnung gewesen ist - nichts mitbekommen habe. Abends am 22.2.2022 erhalte ich Kenntnis von Putins Rede,  mir kommt der Brief eines Freundes in den Sinn, der mir zu Jahresbeginn schrieb,  "ich glaube, dass auf uns alle wegen Russland wirklich Schlimmes zukommt." Mich auf die Realität einstimmen. Ab dem 24.  Februar werden die Schlagzeilen nicht mehr von der Pandemie, wie die letzten zwei Jahre, bestimmt.  Die Ukraine ist in aller Munde. Der Energielieferant kündigt in kurzer Folge zum zweiten Mal die Erhöhung des Tarifs an. Ab 4.3.2022 gilt der Notstand, um die Ankünfte der Flüchtende zu koordinieren. Die Inflation in Tschechien über 11 % und bis 13.3.2020 wurden in Tschechien an die 200.000 Flüchtende aufgenommen. Freue mich über einen Brief aus Italien, dem Samen beigelegt sind.

André Heller "Gärten sind Heilung, Gärten sind Trost und Seligkeit, auch über die Jahrzehnte immer intensiver werdende Schönheit. Gärten sind eine Schule der Jahreszeiten und des Staunens. Sie sind an heißen Tagen Orte der Kühle und immerzu Einladung zur Besinnung."  

Am 24.3.2022 ein Todesfall in der Familie. Für ein Monat in die Steiermark gefahren, um Angehörigen beizustehen. Zurück in Prag stelle ich fest: die Maskenpflicht wurde allerortens aufgehoben. Etliche im Bekanntenkreis wurden trotz Impfung positiv getestet. Überall dort wo es Menschenansammlungen gibt, werde ich weiter Maske tragen - sie hilft die Nase vor den starken Pollenflug zu schützen. 

Die Erde ist ausgetrocknet, kaum Regen. Wasser für das Waschen von Salat, Obst und Gemüse wird für das Gießen der Pflanzen eingesetzt. Wasser für die Dusche, Handwäsche wird für die Klospülung weiterverwendet. Der Kaffeesud wird entweder auf dem Kompost entsorgt oder fürs Gießwasser verwendet. Diese kleinen Schritte in den Alltag integrieren. Was brauche ich wirklich, was lässt sich wiederverwenden? Die eingespielten Mechanismen hinterfragen. Zeit hierfür ist jetzt vorhanden. Ich lerne aus dem Verhalten der Pflanzen. Sie senden wortlose Signale und das Eingehen darauf beruhigt die aufgewühlten Sinne. Mitte Mai sind die im Herbst eingelagerten Äpfel aus dem Garten noch  frisch.

Ende April bis Mitte Mai: Erblühen

18. und 19. Mai 2022, Prag Gartenstadt- Blütenexplosion

Perspektivwechsel

2.6.2022 Die freundliche Nachbarin, lässt mich in ihren Garten, um den Balkon von unten zu fotografieren. 

Blüten des schwarzen Holunders, die Blätter der Zitronenmelisse  gepflückt, sie werden auf dem Dachboden getrocknet.

Ende Juni

Im Juni klettert das Thermometer an vielen Tagen über 30 Grad Celsius. Zwei Mal gab es kurzen Platzregen, vom 24. auf 25. beinahe 24 Stunden Regen. Danach fühlte ich mich wie in den Tropen: 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und das überschüssige Wasser wurde aus den Töpfen in Kübeln entleert.  Ersetzt das Fitness-Studio. Nächtens werden alle Fenster, Türen geöffnet: der Blick vom Stiegenhaus: auch andere Dachgeschoss-Bewohner suchen Abkühlung.  Nebst Hummeln, Bienen, Insekten erstmals einen Taubenschwanz am Balkon gesichtet. 

Am 27. Juni zieht morgens nach sechs Uhr kurz Nebel auf, nachmittags fliegen die Maurersegler tief ... 33 Grad im Schatten ... Der Krieg in der Ukraine dauert an.